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Altägypten (be)greifen. 40 Berührungspunkte für Blinde und Sehende

In der aktuellen Sonderausstellung ist das Berühren der Exponate ausdrücklich erlaubt! Und da eine Audio-Führung die Objekte erläutert und Riechfläschchen den Duft von Lotos und Weihrauch verströmen, sind alle Sinne beteiligt. Der Besucher kann Probeliegen auf einem altägyptischen Bett, einen Götterschrein öffnen und eine Mumie auspacken - alles anhand sorgfältig gearbeiteter Modelle. An ausgewählten Originalen kann er die Materialien von Statuen und Särgen erfahren, an Abgüssen von Götterbildern und Reliefs können Details der Tracht und die Formen der Hierogylphen ertastet werden.

Diese Ausstellung betritt Neuland: Erstmals wird ein kompakter und umfassender Über-blick über die altägyptische Hochkultur barrierefrei vermittelt. Die ägyptische Kunst ist dafür in besonderer Weise geeignet, da sich ihre klaren Formen nicht nur dem Blick, sondern auch dem Tastsinn unmittelbar erschließen. Der Aufbau der Ausstellung richtet sich zunächst an die Zielgruppe der Sehbehinderten und Blinden; durch ihre Modellhaftigkeit in der Auswahl der Themen und deren Aufbereitung mit Hilfe von Originalen, Abgüssen und Modellen ist sie bestens geeignet für Schulklassen und Kinder. Darüber hinaus wird die Ausstellung in ihrer Beschriftung und Bebilderung sowie der integrierten Audio-Führung auch allen anderen Interessenten an der altägyptischen Kultur gerecht. Sie kann darüber hinaus zu einem kommunikativen Begegnungsort von behinderten und nicht behinderten Personen werden.

Die Ausstellung ist in die fünf Themengebiete "Alltag", "Schrift", "Königtum", "Götter-welt" und "Totenkult" gegliedert; anhand von rund 25 Stationen wird der Besucher schritt-weise in die Welt des alten Ägypten eingeführt. Wichtiger Bestandteil ist die Ausstellungs-architektur: Die sämtlich frei zugänglichen Objekte werden auf Spezialtischen präsentiert, die so konstruiert sind, dass sie auch den Bedürfnissen der Rollstuhlfahrer gerecht werden, d.h. mit einem Rollstuhl unterfahren werden können. Damit ist eine vollkommene Barriere-freiheit gewährleistet.

Die fünf Themenbereiche werden veranschaulicht durch eigens gebaute, sehr aufwendig gefertigte Modelle, durch Abgüsse und Originale, die alle "ertastbar" und "begreifbar" sind. Die Repliken werden ergänzt durch Proben des jeweiligen Steinmaterials, um auch hier einen Eindruck von der Beschaffenheit des Originals zu vermitteln. Duftproben schließlich beziehen auch den Geruchssinn mit ein, so daß alle Sinne angesprochen werden.

Eine kräftige, unterschiedliche Farbigkeit der Tischbespannung verweist klar auf die Unter- scheidung von Original einerseits (Gelb) und Repliken und Modelle andererseits (Rot). Erschlossen wird die Ausstellung durch Tisch-Legenden in Braille-Schrift für Blinde, durch Texte für Sehbehinderte in einer besonders großen Drucktype sowie durch eine integrierte Audioführung: Sie ist im Eintrittspreis inbegriffen und in zwei Versionen (für Erwachsene und Kinder) verfügbar. Die Ansteuerung der Objekte erfolgt über Funk, so dass keine Zahlenwählerei erfolgen muß: Der Text startet bei Annäherung an das Objekt. Dabei ist die Audio-Führung zwar thematisch an einer Linie aufgebaut, jedoch kann der Besucher auch alle Themen - und Objektbereiche frei miteinander kombinieren.

Inhaltlicher Aufbau
Die Abfolge der fünf Themen ermöglicht über die Vergleichbarkeit des eigenen Umfelds mit dem konkreten Erleben altägyptischer Gegenstände aus dem Alltagsleben eine behutsame Einführung in die altägyptische Kultur und führt dann langsam zu abstrakteren Themen über.

1. Alltag

Dieser Bereich wird eingeführt anhand zweier lebensgroßer Schaufensterpuppen in altägyp-tischer Tracht (Kleidung, Perücken, Schmuck), deren Entsprechung als ertastbarer Vergleich in Repliken zweier Statuen daneben stehen. Es folgt die Ausstattung eines Schlafzimmers in Gestalt des Nachbaus eines Bettes mit Kopfstütze (zum Probeliegen) sowie eines Kosmetik-kastens. Dieser ist bestückt mit originalen Salbgefäßen und einem Spiegel. Die Ernährung wird veranschaulicht durch in Ton nachmodellierte Brotformen und Bierkrüge, die Replik eines Bierbrauers sowie eine originale Reibschale.

2. Schrift
Die Einführung in das altägyptische Schrift-und Schreibsystem erfolgt über die Nachbildung diverser Schreibmaterialien wie Papyrus, Binse und Schreiberpalette sowie über die Figur eines Schreibers. Das komplexe hieroglyphische Schriftsystem wird über einige dreidimen-sionale Vorlagen der Schriftzeichen vermittelt (Präparat einer Gans und eines Hasen, eines Schilfhalmes und eines Brotes), die dann in großformatigem Reliefdruck zum Vergleich vorliegen, um schließlich in einem letzten Schritt im Original und auf einem Gipsrelief in einer Inschrift wieder erkennbar zu sein - gleichzeitig eine sehr eindrucksvolle Darstellung der Entstehung der altägyptischen Schrift und des Funktionierens ihres Systems.

3. Königtum
Die besondere Stellung des ägyptischen Königs, sein Ornat (Kronen, Szepter, Kleidung) wird im direkten Vergleich lebensgroßer Abgüsse berühmter Statuen mit Originalen veran-schaulicht. Ein Schnitt durch die Chefren-Pyramide vermittelt im Maßstab 1:160 nicht nur die innere Anlage dieses Baudenkmals, sondern ermöglicht durch maßstabsgerechte Modell-figuren den Größenvergleich auch für Blinde, der sonst nicht vermittelbar wäre.

4. Götterwelt
Die vielgestaltige Götterwelt Altägyptens wird in ihren möglichen Erscheinungsformen des Göttlichen als Mensch (Isis mit dem Horusknaben und Osiris), als Tier (Bastet als Katze) sowie als Mischwesen (Sachmet als Frau mit Löwenkopf) erläutert, wiederum im Neben-einander von Abguß und Original. Der Tempelkult wird veranschaulicht durch den Nachbau eines Götterschreins mit Kultbild sowie der Modelle von Kultgeräten (Räucherschale und Sistrum).

5. Totenkult
Um den hohen Stellenwert des ägyptischen Jenseitsglaubens zu erklären, wird sowohl auf die Mumifizierung als auf die Praxis der Grablegung eingegangen, die anhand von Modellen ineinander verschachtelter Särge durch den Besucher nachvollzogen werden kann. Dies wird ergänzt um die unverzichtbaren Bestandteile einer Grabausstattung, den Kanopen (Einge-weidekrügen) und Uschebtis (Dienerfiguren). Den Abschluß bildet das Original eines lebens-großen, menschengestaltigen Sarges mit Inschrift aus Kalkstein.

Technische Daten

Konzeption
Die Ausstellung wurde - in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Museum Ägyptischer Kunst München - konzipiert vom Ägyptischen Museum der Universität Leipzig (Dr. Friederike Seyfried, Kerstin Seidel). Sie entstand in enger Kooperation mit der Deutschen Zentral-bibliothek für Blinde zu Leipzig (DZB), d.h. die Zielgruppe war in den Entstehungsprozeß der Ausstellung von Beginn an miteinbezogen: Gestaltung und Ausführung der Modelle wurden von Sehenden und Blinden gemeinsam entwickelt, die Audiotexte wurden von sehbehinderten Erwachsenen und Kindern auf ihre Nachvollziehbarkeit überprüft.

Daten
Schulmuseum Ichenhausen Unteres Schloss; Schlossplatz 3; 89335 Ichenhausen
Dauer: 24. November 2006 - 9. September 2007
Öffnungszeiten: Di-So 10-17 Uhr Mo geschlossen
Eintritt: Erwachsene 4€ ermäßigt 3 € Schulklassen 2 €/Schüler, begleitende Lehrer und Kinder unter 6 Jahren frei
Katalog: Zur Ausstellung erscheint eine Begleitpublikation zu 5.- Euro

Schirmherrschaft
Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung.

Leihgeber
Ägyptisches Museum der Universität Leipzig
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung Berlin Staatliche
Gipsformerei Berlin
Staatliches Museum Ägyptischer Kunst München
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Die folgenden Bildmotive auf dieser Seite stehen für die aktuelle Berichterstattung über die neue Sonderausstellung im Bayerischen Schulmuseum Ichenhausen honorarfrei zur Verfügung. Jede weitere Nutzung bedarf der Genehmigung.

© Ägyptisches Museum München

 

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Sämtliche Objekte der Ausstellung dürfen angefasst werden – Abgüsse, Modelle und Originale. Sie sind in Normal- und Braille-Schrift beschriftet. Vor den Repliken ist eine Probe des Originalmaterials montiert


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Sämtliche Objekte der Ausstellung dürfen angefasst werden – Abgüsse, Modelle und Originale. Sie sind in Normal- und Braille-Schrift beschriftet. Vor den Repliken ist eine Probe des Originalmaterials montiert


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Statue des Maja
Sämtliche Objekte der Ausstellung dürfen angefasst werden – Abgüsse, Modelle und Originale. Sie sind in Normal- und Braille-Schrift beschriftet. Vor den Repliken ist eine Probe des Originalmaterials montiert


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Foto: Marianne Franke
     
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Themenbereich Alltag
Der Bereich der Ernährung wird durch Keramikgefäße, die Figur eines Bierbrauers und eine originale Reibschale zum Mahlen des Getreides veranschaulicht.

© Ägyptisches Museum München
Foto: Marianne Franke

     
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Themenbereich Königtum
Das Schnittmodell der Chefren-Pyramide (Maßstab 1:160) ermöglicht durch die maßstabs-gerechten Modellfiguren die Erfahrung der Dimensionen dieses gewaltigen Bauwerks.

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Foto: Marianne Franke

     
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Themenbereich Götterwelt
Statuetten von Göttern, Weihrauchgefäß und Sistrum zeigen den Kult im Tempel, in dessen Allerheiligsten der verschlossene Schrein mit dem Kultbild stand…

© Ägyptisches Museum München
Foto: Marianne Franke

     
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Themenbereich Götterwelt
Das Modell des Götterschreins kann vom Besucher geöffnet werden und enthält das vergoldete Kultbild des Gottes Osiris.

© Ägyptisches Museum München
Foto: Marianne Franke

     
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Themenbereich Totenkult
Der Besucher kann die ineinander geschachtelten Modelle eines Sarges bis zur Mumie auseinandernehmen.

© Ägyptisches Museum München
Foto: Marianne Franke