Presse-Download
 

Den Hieroglyphen auf der Spur
Särge, Stelen und Gelehrte

28. März – 31. Oktober 2009

Aus Anlaß des 250-jährigen Jubiläums der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wurden am 27. März eine ganze Reihe von Ausstellungen in einer zentralen Festveranstaltung eröffnet. Das Ägyptische Museum beteiligt sich daran mit der Präsentation einer repräsentativen Auswahl der Erwerbungen jener Aegyptiaca, die auf Anregung ihres damaligen Präsidenten Friedrich von Schlichtegroll in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angekauft worden waren und heute zu den Beständen des Museums gehören.
Nach dem Fund des „Steins von Rosette“ während des Ägyptenfeldzugs Napoleons im Jahre 1799 beteiligte sich auch die Königlich Bayerische Akademie der Wissenschaften in München auf Initiative ihres damaligen Sekretärs Friedrich von Schlichtegroll (1765-1822) am internationalen Wettstreit um die Entzifferung der Hieroglyphen. Das dadurch in der hiesigen Akademie ausgelöste Interesse an der Erforschung der altägyptischen Kultur wird dokumentiert durch den Erwerb der Sammlungen von Franz Wilhelm Sieber und Ferdinand Michel in den Jahren 1820 und 1827, deren Objekte heute zu den Beständen des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst München gehören.

So ist es auch ein Teil der Sammlungsgeschichte des Museums, die mit dieser Ausstellung vorgestellt wird. Zu den Erwerbungen der Akademie gehörten einige dekorierte Särge, die für die Ausstellung neu restauriert wurden und nun zum ersten Mal am jetzigen Standort des Museums in der Münchner Residenz gezeigt werden. Ebenso werden die reichen Bestände an Stelen erstmals in diesem Umfang präsentiert, wofür in der Dauerausstellung sonst kein Platz ist. Gleiches gilt für ein Konvolut von hölzernen Uschebtis des Königs Sethos I. aus seinem Grab im „Tal der Könige“. Relieffragmente, Gegenstände aus dem Alltagsleben sowie eine großformatige Statuengruppe aus der Ramessidenzeit zählen ebenfalls zu den frühen Erwerbungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.


Die Bildmotive stehen für die aktuelle Berichterstattung über die Sonderausstellung honorarfrei zur Verfügung. Jede weitere Nutzung bedarf der Genehmigung.

© Staatliches Museum Ägyptischer Kunst München
Fotos: Staatliches Museum Ägyptischer Kunst München

 
  Sarg der Herit-Ubechet --> Bild downloaden

Die prachtvoll dekorierten Särge in Mumiengestalt zeigen die Verstorbenen vor den Göttern des Jenseits. Die Himmelsgöttin Nut breitet ihre Schwingen schützend um die Verstorbene aus.

Sammlung Franz Wilhelm Sieber
ÄS 12 a
Holz (Sykomore), stuckiert und bemalt
L. 182 cm , Br. 43 cm
Aus den Priestergräbern in Deir el-Bahari, Theben West

3. Zwischenzeit, 21. Dynastie,  um 1000 v. Chr.
     
  Grabstele eines Ehepaares --> Bild downloaden

Aus der Hyksoszeit, der Epoche der asiatischen Fremdherrschaft, sind nur wenige Denkmäler in Stein überliefert. Die ungelenke Haltung und die missratenen Proportionen der Figuren sind charakteristisch für die Zweite Zwischenzeit, in der die Herstellung von Reliefs und Statuen nahezu zum Erliegen gekommen war.

Sammlung Ferdinand Michel
ÄS 41
Kalkstein, bemalt
H. 53cm, Br. 38 cm
Abydos

Zweite Zwischenzeit, um 1700-1600 v. Chr.
     
  Grabstele des Kaschischa --> Bild downloaden

In Abydos, dem Hauptkultort des Gottes Osiris, liessen seit dem Mittleren Reich (ca. 2000 v. Chr.) zahlreiche Beamte und Priester Kapellen errichten, die mit prachtvollen Stelen ausgestattet wurden. Diese Denksteine zeigen meist den Jenseitsherrscher Osiris (hier im oberen Bildfeld), an den sich der Stifter mit einem Gebet wendet; darunter ist seine Großfamilie dargestellt.

Sammlung Ferdinand Michel
ÄS 52
Kalkstein, bemalt
H 86 cm, B 60 cm
Abydos

Neues Reich, 18. Dynastie, um 1420 v. Chr.
     
  Osirissarg --> Bild downloaden

Osiris, ursprünglich eine Erntegottheit, ist als Auferstehungsgott auch der Herrscher im Jenseits. Kleine Särge und Figuren in seiner Gestalt  sind Anspielungen auf den Mythos des getöteten und wiederbelebten Gottes und drücken die Hoffnung auf die Auferstehung des Verstorbenen aus.

Sammlung Ferdinand Michel
ÄS 310
Holz, bemalt
L 55,3 cm, B 15 cm
aus Dra Abu el-Naga (Grab des 2. Propheten des Amun Djj-Nofer; Grab 158)

Neues Reich, 19. Dynastie, 1292-1186 v. Chr.


     
  Statuengruppe des Sibe und seiner Frau Weretchenit --> Bild downloaden

Zur Ausstattung des Grabes gehört eine Statue, die den Verstorbenen mit seiner Gemahlin und gegebenenfalls seinen Kindern zeigt, die hier in einem Relief auf der Rückseite vertreten sind. Die Statue bildet den Ersatzkörper und ist daher stets mit Namen und Titeln der Dargestellten versehen.

Sammlung Ferdinand Michel
Gl. WAF 33
Vermutlich aus Memphis
Kalkstein, bemalt

Neues Reich, 19. Dynastie, um 1200 v. Chr.
     
  Porträt Schlichtegroll --> Bild downloaden

Anonymes Porträt

München, Bayerische Akademie der Wissenschaften

 

 

 

 

     
  Uschebtis --> Bild downloaden

Kleine, meist mumiengestaltige Figürchen, die Uschebtis, waren unverzichtbarer Teil der Grabausstattung und sollten anstelle des Verstorbenen im Jenseits Arbeiten übernehmen. Privatleute wie Könige bedienten sich dieser „Arbeiterfigürchen“.

Sammlung Franz Wilhelm Sieber
ÄS 421, 422, 429-433, 435, 438/9, 443, 447
Holz mit asphaltähnlichem Überzug
Theben-West, Tal der Könige

Neues Reich, 18.-19. Dynastie, 1400-1200 v. Chr.